Katzenkastrationen im Südschwarzwald

Seinen Anfang nahm das „Schwarzwaldhof“-Projekt im Frühjahr 2017 mit den ursprünglich von der Musella-Stiftung und seit 2020 von dem Musella-Institut organisierten und durchgeführten Katzenkastrationen, die auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt das größte Teilprojekt darstellen.

Katzen vor Boxen
Zu Beginn des Projekts im Jahr 2017

Vor dem Hintergrund, daß im Schwarzwald – wie in allen ländlichen Regionen Deutschlands – zahlreiche herrenlose bzw. halbwilde Katzen und Kater im Umfeld von landwirtschaftlichen Betrieben ihr Dasein fristen, und daß zudem die Lebensumstände vieler Tiere, die eigentlich zu einem Hof gehören, oft als schwierig zu bezeichnen sind, sah sich die Musella-Stiftung im Jahr 2017 zum Handeln veranlaßt. „Bauernhofkatzen“ sind auf nahezu jedem Hof anzutreffen, wo sie zur Eindämmung der Mäusepopulation dienen. Häufig bleiben die Tiere ohne Futter und grundlegende Betreuung sich selbst überlassen, was die Ausbreitung von Krankheiten fördert und zu Überpopulationen führt, woraus Revierkämpfe wegen zu kleiner Jagdreviere entstehen. Das Resultat dieser Situation läßt sich vielfach an den Straßenrändern beobachten, wo vornehmlich junge Kater Opfer des Straßenverkehrs werden, da sie auf der Suche nach neuen Revieren weite Strecken in unbekanntem Gebiet zurücklegen. Hinzukommt erschwerend, daß auf abgelegenen Gehöften die Katzenpopulation immer noch durch Tötungen „kontrolliert“ wird, obgleich dies einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellt.

Bei der Tierärztin
Vor der Kastration in Abfangboxen beim Tierarzt

 

Da eine juristische Konfrontation wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz angesichts der schwierigen Beweislage meist nur wenig Aussicht auf Erfolg bietet, leistet das Musella-Institut stattdessen einerseits konkreten Tierschutz durch die Kastrationen einhergehend mit der medizinischen Versorgung und appelliert andererseits durch eingehende Beratung und intensive Gesprächsangebote an die moralischen Wertevorstellungen der Tierhalter auch vor dem Hintergrund der Tierethik mit dem erklärten Ziel, eine bewußte Wertschätzung dieser Lebewesen zu erreichen.

Wieder daheim!
Auf der Heimreise

Zur Förderung dieses Anliegens übernimmt das Musella-Institut den Großteil der anfallenden Kosten für die Kastrationen. Damit einhergehend übernehmen Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer das Einfangen der Tiere und den Transport zum Tierarzt ebenso wie den Rücktransport zum Hof, wodurch die landwirtschaftlichen Betriebe entsprechend entlastet werden. Das Institut finanziert im Rahmen der begleitenden Untersuchung die Behandlung von Parasiten (Würmer, Flöhe, Milben, Giardien etc.). Bei zahmen Tieren besteht darüber hinaus die Möglichkeit, die beiden anfänglichen, der Grundimmunisierung dienenden RCP-Impfungen durchführen zu lassen, sofern der Hof eine eigenständige Fortsetzung des Impfprogramms in der Folgezeit zusagt. Im Sinne der Nachhaltigkeit bemüht sich das Institut um einen langfristigen Kontakt zu den beteiligten Höfen und bietet hinsichtlich der vorhandenen Katzenpopulation auch künftig seine Unterstützung an, beispielsweise bei einer durch Erkrankung oder Unfall notwendig werdenden medizinischen Versorgung. Sämtliche Maßnahmen finden in enger Absprache mit zahlreichen Tierärzten statt, um einen optimalen Ablauf sowohl für die Tiere selbst als auch für die Besitzer zu gewährleisten.

Aufnahme und Erstversorgung beim Tierarzt
Nach Aufnahme und Erstversorgung beim Tierarzt

 

Als Kerngebiet des Projektes war ursprünglich für 2017 die Gemeinde St. Märgen definiert, wobei schon im Laufe des Jahres die Nachbargemeinden Breitnau, Buchenbach und Wagensteig in den Aktionsradius miteinbezogen wurden. In den Jahren 2018 und 2019 wurde der Tätigkeitsbereich wegen der stetig wachsenden Nachfrage seitens der Höfe deutlich erweitert. Dieser erstreckt sich mittlerweile über ein Gebiet, welches neben den genannten Kerngemeinden Biederbach, Eisenbach, Elzach, Friedenweiler, Furtwangen, Glottertal, Gütenbach, Gutach, Hinterzarten, Horben, Kirchzarten, Lenzkirch, Oberried, Simonswald, St. Peter, Stegen, Titisee-Neustadt, Waldkirch und Winden inklusive der zugehörigen Ortsteile umfaßt. In gleichem Maße ist die Zahl der kooperierenden Tierarztpraxen über die vergangenen Jahre kontinuierlich angewachsen, so daß gegenwärtig 8 Tierärztinnen und 5 Tierärzte aus der Region sowie von eine Freiburger Tierklinik an diesem Projekt mitwirken.

 

In den Projektjahren 2017 bis 2022 konnten insgesamt 1073 Katzen und Kater von über 200 Höfen kastriert und – sofern sich dies im Rahmen der Untersuchung als notwendig erwies – medizinisch versorgt werden; davon entfielen 217 Kastrationen auf das Jahr 2021 und bisher 207 Kastrationen auf das Jahr 2022 (Stand 17.10.2022).

 

Zuletzt war in den Jahren 2020 und 2021 ein deutlich wachsendes Interesse seitens der Land- und Forstwirte zu beobachten, am Katzenkastrationsprojekt des Musella-Instituts teilzunehmen. Dementsprechend ist auch für das Jahr 2022 und die kommenden Jahre mit einem kontinuierlichen Anstieg der zu versorgenden Tiere zu rechnen. Als positiver Effekt ist weiterhin zu vermerken, daß sich mittlerweile die Hofbesitzer zunehmends eigenständig bei den beteiligten Tierärzten bzw. dem Institut melden, um Termine für die Kastration ihrer Katzen und Kater zu vereinbaren. Sie haben über Nachbarn, Bekannte, Verwandte, beteiligte Tierarztpraxen, kooperierende Tierschutzorganisationen oder durch die Medien von dem Projekt erfahren und ließen sich in diesem Zuge von der Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit der dem Tierwohl dienenden Katzenkastrationen überzeugen.

 

Unser Katzenkastrationsprojekt und die Katzenschutzverordnung der Stadt Titisee-Neustadt in der Presse:

Badische Zeitung

 

Dr. Johannes Christian Linnemann